Ein Morgen ohne Geräte
Viele Menschen nehmen die technischen Errungenschaften unserer Welt mit einer gelassenen Selbstverständlichkeit hin, ohne sich jemals Gedanken darüber zu machen, wie wohl unser Leben aussehen würde, wenn es mal einen Tag lang keine Geräte und Maschinen gäbe. Ähnlich wie Herr Samsa in Kafkas Kurzgeschichte "Die Verwandlung" würden wir morgens erwachen und feststellen, dass etwas nicht stimmt. Wir würden uns ziemlich schnell wundern, wie abhängig wir doch von technischen Erzeugnissen sind und wie stark diese unseren Alltag bestimmen.
Nehmen wir einmal an, der gute Herr Samsa würde in unserer Zeit leben und anstatt sich in ein ungeheuerliches Ungeziefer zu verwandeln, stellt er fest, dass er einen Morgen lang ohne Geräte und Maschinen auskommen muss. Eine abenteuerliche Erfahrung:
Der Wecker hat nicht geklingelt. Mit jeder Menge Schlaf in den Augen schleicht Herr Samsa langsam ins Bad. Gefühlt müsste es jetzt kurz nach halb 7 sein. Die Armbanduhr scheint auch verschollen. Draußen hat es geschneit. Nur wenig Licht fällt in den Waschraum und Gregor Samsa versucht vergeblich die Lampe anzuknipsen. Die Birne scheint defekt. "Unpassender Zeitpunkt!", flucht er in sich hinein. Der Griff zur elektrischen Zahnbürste geht ins Leere. Irgendwas stimmt hier nicht. Herr Samsa ist jetzt hellwach. Die Morgendämmerung bricht allmählich herein und erhellt das Bad. Der Schock sitzt tief. "Wurde ich ausgeraubt?", hört man es murmeln. Die Zahnbürste, weg. Der Rasierer, weg. Der Fön, nicht mehr da. "Wer klaut denn einen Fön?" Gregor Samsa stürzt in die Küche. Ihn überkommt der Gedanke, nur schlecht geschlafen zu haben und will sich erstmal einen Kaffee machen. Ein schmackhafter Espresso aus seinem modernen Vollautomaten wird ihn endgültig aufwecken. Das ist immer ein guter Start in den Tag. Fassungslosigkeit macht sich breit, als er auf die leergefegte Arbeitsplatte starrt. Die Espressomaschine ist weg. "Ich wurde tatsächlich ausgeraubt.", schießt es ihm durch den Kopf. "Wie ist das denn passiert? Ich habe heute Nacht doch niemanden gehört." Kirchengeläut reißt ihn aus seinen Gedanken. "Acht Schläge - Du meine Güte, ich muss zur Arbeit!" Hals über Kopf zieht er sich irgendwelche Klamotten an. Ihn beschleicht ein komisches Gefühl, denn sowohl Hose als auch Hemd fühlen sich seltsam an.
Draußen rennt er umgehend zur Einfahrt. Sein Sportwagen ist weg. "Klar, dass die den auch gleich mitnehmen. Es muss sich ja lohnen!", denkt sich Herr Samsa und seufzt. Plötzlich hält er inne und schaut sich um. Obwohl er an einer Hauptverkehrsstraße wohnt, sieht er keine Autos. Die Stille ist unheimlich. "Was geschieht hier?", platzt es aus ihm heraus. Langsam und verwirrt kehrt er ins Haus zurück. "Vielleicht sollte ich mal die Polizei anrufen." Doch weder Handy noch Telefon lassen sich finden. Der Computer ist weg, sein Fernseher fehlt und auch sein Küchenradio scheint verschollen. Sämtliche Haushaltsgeräte sind nicht da. "Um Himmels Willen! Was soll ich denn jetzt tun?", schreit Herr Samsa stumm in sich hinein. Hungrig, frierend und ziemlich durcheinander steht er in seiner halb leeren Wohnung. Schließlich entscheidet er sich, mal bei den Nachbarn zu klopfen. Er ahnt, dass Klingeln nicht funktionieren würde...
Die kurze Geschichte zeigt, wie wichtig Geräte und Maschinen in unserem Leben geworden sind. Deshalb ist es hin und wieder ganz interessant, sich zu fragen, ob man einen Tag lang auch ohne technische Hilfsmittel auskommen könnte.
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